Mit ArcGIS 10.0 dem Bezugssystemwechsel erfolgreich begegnen

Software: ArcGIS Desktop 10.0
Betriebssystem:

Einleitung
In diesem Artikel wird aus dem Buch Koordinatensysteme in ArcGIS von Flacke, Dietrich, Griwodz und Thomsen
(2010) ein Auszug aus dem neuen Kapitel Praxis mit ArcGIS – Bezugssystemwechsel vorgestellt. Darin wird beschrieben, wie mit dem amtlichen deutschen Koordinatenbezugssystemwechsel in ArcGIS praktisch umgegangen werden kann.

Inhalt
In dem überarbeiteten Buch Koordinatensysteme in ArcGIS von Flacke, Dietrich, Griwodz und  Thomsen (2010)
finden Sie in Kapitel 9 - Praxis mit ArcGIS – Bezugssystemwechsel u. a. folgende Unterkapitel:

  • 9.1: Die aktuellen und zukünftigen Systeme in ArcGIS
  • 9.2: False Easting-Thematik in ArcGIS
  • 9.3: Transformationsansätze zum Bezugssystemwechsel in ArcGIS
  • 9.4: Welcher Transformationsansatz ist der beste?
  • 9.5: Transformation „on the fly “ versus „echte“ Transformation
  • 9.6: Strecken- und Flächenverzerrungen – Messen in ArcGIS
  • 9.7: Transformation über Stützpunkte in ArcGIS

Informatives aus dem Kapitel 9.2 False Easting

Die im vorherigen Kapitel (8.2) beschriebene False Easting-Thematik ist auch in ArcGIS zu beachten. Die DHDN/GK-Systeme sind im ArcGIS-Standard mit einem False Easting von „Streifenkennung“ + 500.000 m definiert, die ETRS89/UTM-Systeme allein mit 500.000 m, also ohne Zonenkennung. Bekommen Sie nun Daten z. B. aus Brandenburg mit der halben Zonenkennung vorangestellt (7-stellige Koordinaten), müssen Sie dies beachten, wenn Sie diese Daten mit anderen zusammen anzeigen wollen.

Esri nimmt jeweils alle Koordinatensysteme auf, die in der zum Release-Zeitraum gültigen EPSG-Datenbank sind.
In ArcGIS 9.3 ist dies die EPSG-Datenbank in einer 6-Version, in ArcGIS 10 wird das voraussichtlich eine 7-Version der EPSG-Datenbank sein. Da aber zumindest bis zur EPSG-Datenbank Version 7.4 (Release 25.11.2009) noch kein System mit dem False Easting von Brandenburg eingetragen ist, wird es voraussichtlich ein solches in ArcGIS 10 auch nicht geben.

Daher werden Sie immer dann, wenn Sie solche Daten mit anderem False Easting bekommen und diese Daten mit anderen zusammen anzeigen wollen oder dem False Easting dieser Daten anpassen möchten, ein benutzerdefiniertes Koordinatensystem mit diesem False Easting benötigen. Dies ist einfach und erfordert nur wenige Schritte. Ausführlich beschrieben ist dies in Kapitel 7.1. Die Definitionen für ETRS89/UTM-Systeme mit halber und ganzer Zonenkennung (7- bzw. 8-stellige Koordinaten)  für Deutschland stellt die Eri Deutschland GmbH kostenlos auf dieser Seite zum Download zur Verfügung. Wenn Sie diese Systeme trotzdem selbst anlegen wollen oder müssen empfehlen wir folgendes Vorgehen:

  1. Legen Sie einen neuen Ordner in ArcCatalog unter den Koordinatensystemen an, z.B. Meine Koordinatensysteme.
  2. Dahin kopieren Sie die Koordinatensysteme, die Sie mit anderem False Easting benötigen.
  3. Sie ändern dann den Namen dieser Koordinatensysteme (sowohl im Verzeichnisbaum, als auch entsprechend bei den Eigenschaften).
  4. Für Koordinatensysteme mit einem False Easting mit Zonenkennung können Sie z. B. „_mz“ für „mit Zonenkennung“ ergänzen und bei einem False Easting mit halber Zone wie in Brandenburg ergänzen Sie z. B. „_mhz“ für „mit halber Zonenkennung“.
  5. Sie öffnen dann den Editor mit den Eigenschaften und ändern dort den Namen und das False Easting. Alles andere bleibt unverändert. Da Sie weiterhin dasselbe GCS verwenden, stehen Ihnen auch weiterhin für dieses Koordinatensystem alle schon definierten Datumstransformationen zur Auswahl.
  6. Dieses System können Sie dann den Daten entweder zuweisen und bei der Anzeige gemeinsam mit anderen Daten „on the fly“ projizieren, oder Sie transformieren die Daten z. B. über ArcToolbox in ein Standard-Koordinatensystem. In beiden Fällen können Sie Ihr neu definiertes System direkt nutzen.